Ausstellung "Jesus von Nazareth - Sein Weg"


Der Stall zu Bethlehem

Der Traum vom Raum – Ein Tagebuch

24.12.2007 – Heilig Abend
Es ist mittlerweile 18.00 Uhr. Ich sitze angespannt im Wohnzimmer und gehe in meinem Kopf noch einmal die Räume durch, die wir in fünf Stunden aufbauen werden. Haben wir an alles gedacht? Wenn etwas fehlt, wo kriegen wir das über die Feiertage her? Kommt jeder? Wie bekommen wir die Höhle sicher vom Gemeindehaus in die Kirche? Fragen über Fragen, deren Antwort erst einmal offen bleibt – es gibt essen. Hunger habe ich eigentlich keinen, ich bin viel zu nervös. Doch essen muss ich etwas, uns allen steht eine lange Nacht bevor.
20.45 Uhr – Ich mache mich auf den Weg zur Kirche. Christmette heißt es erst einmal. Einer der schönsten Gottesdienste im Jahr. Frieden ist das Motto, doch so ganz friedlich ist von den Jugendlichen, die sich zur späten Andacht mit einbringen, keiner, denn auch für sie heißt es: Gleich geht es los. Das stille Gebet nutze ich für die kommende Nacht. Irgendwann heißt es dann „Oh du Fröhliche“, jeder Strophe eine Oktave höher, ganz große Version.
Nach dem Gottesdienst bietet eine Mutter ihre Hilfe an – eine tolle Geste! Erst einmal muss jedoch in St. Annen aufgeräumt werden. Jens und ich gehen schon einmal vor und halten noch einmal Lagebesprechung.
23.45 Uhr – Wir sind komplett.  Noch ist die Kirche in ihrem ursprünglichen Zustand. Wir gehen noch einmal jeden Ort ab, an dem später ein Raum entstehen soll. Dann geht es los. Schorse postiert eine Filmkamera. „Bänke raus“, heißt es dann. Ein robuster Akt, bei dem jede Hand gebraucht wird. Anschließend geht es an den Aufbau des Gerüsts. Da reichen vier Leute, der Rest trägt Material vom Gemeindehaus in die Kirche und positioniert es vor den entsprechenden Räumen. Das erste Problem. Wie befestigen wir die Gerüste, sodass sie die Last des anzubringenden Stoffes tragen können? Zwei können im Boden verankert werden – kein Problem. Eins steht auf Marmor. Was ist zu tun? Lange wird hin und her überlegt. Das kostet Zeit, aber wir konnten vorher nichts ausprobieren. Alles hängt an dieser Nacht und an der Kommenden. Winfried hat eine Idee. Marc flitzt los und holt einen Wagenheber. Aus Holzresten, Wagenhebern und alten Tüchern entsteht eine Konstruktion, die die Unterseite der Empore mit der Oberseite des Gerüsts verbindet und verkeilt – bombenfest! Ich bewundere die Kreativität und den Aktionismus des Gerüstaufbauteams. Das Gerüst steht also. Weiter geht es! Die Stallwände müssen von der gesamten Gruppe getragen werden – sie sind zu schwer für unsere Jugendlichen. Jens und Bauleiter Martin, seines Zeichens Hausentkerner und Freund, überwachen mit Adleraugen ihren Stall, den sie in mühseliger Arbeit erschaffen haben. Aber auch an anderen Stellen wird gewerkelt. Das Podest für unseren Jordan wird zusammengebaut aus über 20 Einzelteilen. Zusammengeschraubt wird morgen. Heute heißt es erst mal: Material rüberschleppen. Das ganze Gemeindehaus ist voll davon.
05.30 Uhr – Das Gemeindehaus ist bis auf die Höhle leer. Die Kirche sieht aus wie eine Großbaustelle, die sie zu diesem Zeitpunkt auch ist. Die letzten Mitstreiter (Jens, Martin, Marc und meine Wenigkeit) gehen auf ein Feierabendbier ins Heavens zu Lothar mit seinen Wolkenpullovern und anschließend erschöpft in ihre Kojen. Jens schläft im Gemeindehaus, er muss um 09.00 Uhr den Gottesdienst in St. Annen vorbereiten. Anschließend hat er Familienessen! Und dann wird er weiterarbeiten – unglaublich, dieser Mann, wenn wir ihn nicht hätten!


Im Tempel - Der zwölfjährige Jesus

25.12.2007 – Erster Weihnachtsfeiertag
09.00 Uhr – Die „Nacht“ ist vorbei. Eine Dusche und ein starker Kaffee, aber auch das Wissen, dass die Räume heute fertig werden müssen, vertreiben die Müdigkeit. Gut geschlafen hab ich nicht. Ich zwinge mir ein Toastbrot rein und gönne mir eine Stunde Lektüre – „Dieter Nuhr – Wer’s glaubt wird selig“ (nicht so gut, wie sein Erstes!).
11.00 Uhr – Ich stehe vor der Kirche und fürchte mich aufzuschließen. Was ich sehen werde, wird mir nicht gefallen. Wir liegen nämlich in unserem Zeitplan zurück.
Ich raffe mich auf und fange an. Kurz darauf stößt Winfried dazu. Zusammen fangen wir  an „Abendmahl“ und „Taufe“ abzuhängen. Eine Arbeit, die ich persönlich nicht abkann. Daher bewundere ich Winfried, der mit einer Seelenruhe die Stoffe zusammensteckt und sich Konstruktionen einfallen lässt, die es möglich machen, dass die Stoffe nicht durchhängen – ich könnte das glaub ich nicht. Viel zu viel Friemelarbeit. 
14.00 Uhr – Mein Magen ist am rebellieren. Ich frage Winfried, ob er auch etwas essen mag. Er hat schon. Ich mache mich auf in die Stadt und kehre bei einem Chinesen ein. Ich ernte mitleidige Blicke von anderen Gästen, die sich fragen, was der denn allein am 1. Weihnachtsfeiertag hier treibt – die Antwort ist einfach: Nahrungsaufnahme, möglichst viel und reichhaltig. Wenigstens das erfüllt sich – es gibt Buffet.
14.45 Uhr – Zurück in der Kirche. Winfried hat den Jordan fertig. Ich staune Bauklötze und mache mich an den Aufbau der Emporenbar, der von einigen Damen gestern schon vorbereitet wurde. Nach und nach stoßen andere Teammitglieder zu uns. Ein neues Gesicht ist dabei: Axel.
Das Podest für den Jordan ist fertig, die Teichfolie ist ausgelegt. Der Sand muss rein, die Pflanzen müssen in das Podest eingelassen werden und wir brauchen Wasser – viel Wasser. Schubkarren rollen durch den Seiteneingang. Nach und nach entsteht eine kleine Wüste. Das nächste Problem entsteht, die Wasserleitung die wir gelegt haben, hat zu wenig Druck. Wassereimer müssen geschleppt werden, um den Jordan zu füllen.
19.00 Uhr – Das Team ist komplett. Der Jordan füllt sich immer weiter, Julius hat da die Aufsicht.
Wir wagen uns an den Transport der Höhle. Knapp 300 Euro ist sie wert. Wenn sie in der Mitte bricht, kann ein Raum nicht aufgebaut werden. Sie ist fünf Meter lang und knapp zwei Meter hoch, gerade so, dass sie durch eine Tür passt, sie muss von mindestens fünf Menschen getragen werden. Doch dann das Problem: der Eingang zum Gemeindehaus kann nicht vollständig geöffnet werden. Wir kommen mit der Höhle nicht durch. Was ist zu tun? Wir bauen die Tür aus.
Die Höhle gelangt sicher in die Kirche, die Tür wird wieder eingebaut und weiter geht’s. Der Sand kann nun endlich vor die Höhle gebracht werden. Das muss schnell gehen, denn ein Raum fehlt noch komplett – der Tempel. Er kann erst aufgebaut werden, wenn der Seiteneingang nicht mehr gebraucht wird. Das ist nun der Fall. Helen und Hendrik nehmen den Raum in die Hand, er geht einzig und allein auf das Konto der beiden – unfassbar! Die Stallwände stehen, jetzt heißt es Stoffe anbringen, im Stall, im letzten Raum und dort, wo später die Kreuzigung entstehen soll. Nina, Alina, Georg, Jens und Winfried übernehmen das unten. Unser Tischler kümmert sich um den Stand der Kreuze, während El Pastore Andreas in schwindelerregender Höhe die schwarzen Stoffe befestigt, Martin sichert ab, ich kümmere mich um die Bergseile – abgefahren.
Die Stoffe hängen, die Kreuze stehen kurze Zeit danach.
02.00 Uhr – Pause! Ich habe Baguette für alle von Lothar geholt, das gibt neue Kraft.
04.30 Uhr Der Tempel ist fertig, Golgatha ebenfalls, beim Stall fehlt nur noch das Stroh, die Höhle wirkt vom Altarraum aus unglaublich – sie ist fertig – der Jordan muss nur noch beleuchtet werden, beim Abendmahl fehlt nur noch das Gedeck. Die Kleinigkeiten und die dekorativen Arbeitsschritte sowie die Emporenbar können bis morgen warten.


Am Jordan

Von 05.00 Uhr bis in die Zukunft
Wir machen das Licht in der Kirche aus und gehen die Treppe zum Golgatha nach oben. Jede Stufe wirkt gleichzeitig befreiend, weil wir es so gut wie geschafft haben, und beklemmend, denn wir wissen was oben auf uns wartet. Wir stehen am Ende der Treppe und können nichts sagen. Jeder von uns hat eine Gänsehaut, manche eine kleine Träne im Auge. Es ist stockfinster. Nur von hinten werden die drei Kreuze erhellt. Es ist der andächtigste Moment der letzten Wochen, vielleicht sogar in meinem Leben. Keiner sagt etwas, doch jeder weiß, was hier oben passierte vor so langer Zeit, denn in unseren Gedanken, in unserer Phantasie, in unserem Glauben, geschieht es genau hier und jetzt, hier auf der Empore von St. Stephani.
Jeder, der an diesem Projekt auf irgendeine Art teilhatte, war dabei als ein schreiendes Kind an einem Ort größter Armut zur Welt kam und ihr ein neues Gesicht verlieh, wir alle waren dort, im Stall zu Bethlehem, ob er nun mit Stroh gefüllt war oder nicht. Wir alle haben erlebt, wie ein 12jähriger nicht mit nach Hause kam und gleichzeitig zu Hause war, wir standen im Jordan als der Himmel sich auftat. Wir waren mit auf der Suche nach dem Raum, in dem das Passahmahl gegessen werden konnte, wir haben das Brot gebrochen und den Wein geteilt, wir haben erlebt, was Gemeinschaft heißt. Wir haben am Kreuz geweint und Milde erfahren. Wir haben uns drei Tage später gefragt, wer uns den Stein wegwälzt, der vor dem Eingang liegt und durften Unglaubliches erkennen. Wir haben daran geglaubt, aber auch manchmal daran gezweifelt, wir alle waren als Jünger unterwegs und durften an etwas Wundervollem teilhaben.
Dafür möchte ich Euch danken, meine Lieben, egal wie viel Anteil die eine oder der andere an diesem Projekt hatte, hätte nur einer von Euch gefehlt, wäre aus Phantasie niemals Realität geworden. Ihr alle habt dazu beigetragen, dass Kirche lebendiger wird und zurrecht wurde für Euch ein Anschreiben hinterlassen, in dem steht:
„Gott segne diese jungen Menschen, die dieses Wunder vollbracht haben.“
Ihr bewegt und tut dieses jeden Tag aufs Neue. Ihr seid dafür verantwortlich, dass Kinderaugen leuchten, wenn sie den Stall erblicken und dass so viele Menschen sich an den Tisch setzten und gemeinsam, ob sie nun einander kennen oder nicht, das Brot teilen und gemeinsam Abendmahl feiern. Ihr seid dafür verantwortlich, dass Kirche lebt! Ihr seid dafür verantwortlich, dass auch bei so vielen anderen Menschen Phantasie zu Realität wurde und wird! Danke!

Abendmahlsraum

 

Artikel vor Ausstellungsbeginn im Gemeindebrief

Jugendliche eröffnen Ausstellung „Jesus von Nazareth – Sein Weg“
Sephanus-Tag – 26.12.2007, 17.00 Uhr

Die Geschäfte und Restaurants haben sie schon ausgehangen, die Weihnachtsdekoration und schon aromatisieren Bratwurst und Glühwein den Goslarer Marktplatz sowie den Schuhhof – ob einem das nun gefallen mag oder nicht. Auch der vorweihnachtliche Stress wird sich wieder einmal über so manchen legen und oft fällt es dann schwer sich auf den eigentlichen Anlass zu konzentrieren.
Die Jugendlichen, die seit den Sommerferien am Projekt „Actionkunst“ teilgenommen haben, werden dieses Problem nicht haben. Seit mehreren Monaten arbeiten sie nämlich an der Eröffnung einer Ausstellung der etwas anderen Art. Jeden Donnerstag setzten sie Geschichten aus dem Leben Jesu künstlerisch um, mit dem Ziel begehbare Räume zu erschaffen, die dann in der Kirche aufgebaut werden sollen. Die Vorbereitungen dafür sind nun abgeschlossen und es sind sechs Räume entstanden, die den Weg des Jesus von Nazareth widerspiegeln, bzw. die Sie zu Orten entführen, an denen Jesus gewirkt hat oder aber auch die ihn beeinflusst haben.
Beispielsweise stellten wir uns die Frage, wie es denn am Jordan zur Zeit Jesu Taufe ausgesehen haben könnte. Entstanden ist ein Raum, der sie mitnimmt in die Gegend um Jericho an das Ufer des Jordans, an dem Sie ein Stück entlanggehen können.

Am 26.12.2007 – dem Stephanus-Tag – wollen wir diesen Weg durch sechs Orte im Leben Jesu um 17.00 Uhr mit einer Andacht eröffnen. Anschließend soll es zu jeder
Stunde Führungen durch die verschiedenen Landstriche, Orte und Gebäude geben.
Begleitet wird der Abend mit Jazzmusik von der Orgel und es wird auch, gegen einen kleinen Obolus, für das leibliche Wohl gesorgt sein.
Tauchen Sie also ein in die Welt vor etwa 2000 Jahren, so wie sie sich Jugendliche heutzutage vorstellen, und wandeln Sie auf den Spuren des Jesus von Nazareth. Besuchen Sie die Orte, die er besucht hat, und verbringen Sie einen wunderschönen Abend in unserer Kirche.
Die Ausstellung ist mindestens bis zum 06. Januar 2008 im Rahmen der Offenen Kirche geöffnet.
 


 Die Kreuzigung

Auszug aus der Pressemitteilung

Seit August 2007 beschäftigen sich mehrere Jugendliche mit dem Lebensweg des Jesus von Nazareth. Ziel dabei ist es, sechs Geschichten aus seinem Wirken in begehbare, teils abstrakte, teils realistische Räume umzusetzen. Diese Räume, deren Größe bis auf 20 Quadratmeter reicht, werden dann in der Stephanikirche zu Goslar aufgebaut.

Zunächst als kleines Projekt angedacht, entwickelte sich die Ausstellung schnell zu einem vermutlich einzigartigen Event und dies in mehrfacher Hinsicht:

Hinter dem Projekt steht eine pädagogische Arbeit, die sich ausschließlich mit künstlerischer Methodik beschäftigte – jede Geschichte wurde also zunächst in irgendeiner Form künstlerisch bearbeitet und dargestellt, bevor dann der Raum des Geschehens als Raum in der Kirche entwickelt wurde.  Diese Arbeit stand in der Vorbereitung zudem vor dem eigentlichen Ziel, was bedeutet, dass die pädagogische Arbeit vor dem Ziel der Arbeit stand. Dadurch wurde ein Grad an Professionalität erreicht, der durch schlichtes zielorientiertes Arbeiten nie erlangt worden wäre. Die ausführliche Beschäftigung mit den Geschichten in wöchentlichen Arbeitseinheiten, als Vorbereitung auf das Kreieren der Räume, trug ergo zur professionellen Raumgestaltung erheblich bei.
Auch das Ziel, die Räume, scheint einzigartig in der Landeskirche Braunschweig zu sein:
Entstanden ist ein Lebensweg Jesu, der die Besucher mit in den Stall von Bethlehem nimmt, sie in den Tempel führt, in dem der 12-jährige Jesus mit Gelehrten debattierte, sie an den Jordan entführt, in dem Jesus getauft wurde und der sie an den Ort des Letzten Abendmahl bringt sowie an die Orte der Kreuzigung und der Auferstehung. Alle Räume sind frei begehbar, das heißt, dass die Besucher sich beispielsweise einen Moment in den Stall von Bethlehem setzen können oder ein Stück am Jordan wandeln können.
Der Gedanke dabei ist, dem Besucher das Umfeld Jesu näher zu bringen und ihn so auf die Spur Jesu anzusetzen, ihn für seine Botschaft zu begeistern.

 


Die Auferstehung